Datum/Uhrzeit: Uhr
Art: Kolloquium, Präsenz
Ort: Johannisallee 19a, Raum 0.06
Veranstaltungsreihe: Physisch-Geographisches Forschungskolloquium

Am Mittwoch, 14.01.2026, hält Michael Hein (Universitäten Lüneburg & Leipzig) im Institut für Geographie (Johannisallee 19a, Raum 0.06 – Werkstatt) den Vortrag „Auf dem Weg zu einer ‚absoluten‘ Datierung bioklimatischer Phasen von der späten Saale- zur mittleren Weichselkaltzeit in Mitteleuropa – Erkenntnisse aus einer Paläosee-Abfolge in Lichtenberg/Niedersachsen“. Beginn ist um 17:15 Uhr.

Pollenkundliche Untersuchungen stellen die Basis der stratigraphischen Unterteilung des Spätpleistozäns (ca. 130.000 - 12.000 J.v.h.) in zahlreiche Wärme- und Kältephasen dar. Um zu verstehen ob diese z.T. rapiden Klimaschwankungen überall in Europa zeitgleich abgelaufen sind, benötigt es unabhängige numerische Datierungen der pollenführenden Sedimentarchive welche bis heute jedoch meist komplett fehlen. Stattdessen werden diese Schwankungen mit gut datierten marinen Bohrkernen im Nordatlantik und/oder grönländischen Eisbohrkernen korreliert. Dadurch ergibt sich eine scheinbare Gleichzeitigkeit der Klimaentwicklung zwischen Nordatlantik und Europa, sodass ein eventueller Zeitversatz oder trägere Reaktion der Landmassen nicht erkannt werden können. Ein besseres Verständnis der klimatischen, ökologischen und geomorphologischen Reaktionsgeschwindigkeiten und -richtungen der kontinentalen Landmassen bezogen auf atmosphärische und marine Impulse ist jedoch essentiell für die Modellierung der Auswirkungen des aktuellen globalen Klimawandels.
Dieser Vortrag behandelt eine Fallstudie innerhalb des Forschungsprojektes ,CEHN – Climate Change and Early Humans in the North‘. An einem 21 m langen, mehrheitlich lakustrinen Sedimentbohrkern aus dem Wendland (Niedersachsen) wurden Multiproxy-Analysen (physikalisch, geochemisch, biologisch) erstmals kombiniert mit hochaufgelösten Lumineszenzdatierungen. Die dadurch erstellte unabhängige Chronologie spätpleistozäner mitteleuropäischer Klimaphasen leistet einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Meer-Kontinent-Beziehungen unter Klimawandelszenarien.