Wiesent: Entwicklung eines vom Menschen geprägten Auensystems: Das Flusssystem der Wiesent in der Nördlichen Frankenalb (Maineinzugsgebiet) im Frühmittelalter bis zur Frühen Neuzeit

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Wiesenttal, Foto: Markus Fuchs

Flusslandschaften – wichtige und empfindliche Ökosysteme

Flusslandschaften und ihre Auenbereiche sind wichtige Ökosysteme und stellen bedeutende Wirtschaftsräume für den Menschen dar. Sie sind von Natur aus dynamisch und im Laufe der Geschichte durch sozio-ökologische Veränderungen gekennzeichnet. In Mitteleuropa sind Flüsse und ihre Auen vor allem seit dem Frühmittelalter einem direkten (z. B. hydrotechnische Anlagen) und indirekten (z. B. Sedimentationsrate) Transformationsprozess unterworfen. In dieser Zeit machte sich der direkte sozioökonomische Druck auf die Flusslandschaften durch verstärkte Siedlungs- und Infrastrukturtätigkeiten bemerkbar, wie z. B. durch die Errichtung von Wassermühlen, die Öffnung von Tälern und Auen für den Transport auf dem Fluss sowie auf Straßen entlang des Tals sowie die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung der Auen. Gleichzeitig fand eine Intensivierung der Landwirtschaft im gesamten Einzugsgebiet statt, was zu Bodenerosion führte, die sich wiederum auf die Sedimentfracht der Flüsse auswirkte, und damit die Morphologie der Auen erheblich veränderte. Infolgedessen wandelten sich spätestens seit dem Mittelalter natürlich dominierte Auen und Ökosysteme in vom Menschen dominierte Auensysteme um. Dieser Umwandlungsprozess verlief nicht nur in eine Richtung, sondern war durch nichtlineare und komplexe Rückkopplungs- und Anpassungsprozesse gekennzeichnet, die insgesamt die Mensch-Umwelt Interaktion bestimmten. Infolgedessen veränderten direkte und indirekte anthropogene Prozesse die Aue, und umgekehrt hatte die sich veränderte Aue Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Forschungsziele

Das Projekt wird sich auf zwei Hauptaspekte konzentrieren:

  1. Rekonstruktion anthropogener Aktivitäten, wie hydrotechnische Anlagen, Fluss- und Agrarwirtschaft und ihrer Auswirkungen auf die Flussmorphologie, den Sedimentfluss und die Ökologie der Aue, und
  2. soziale Reaktionen und kulturelle Anpassungen an die vom Menschen verursachten Veränderungen der Auenlandschaft.

Im Einzelnen werden die folgenden Fragen behandelt:

  1. Wie groß war das Ausmaß der Veränderungen in den Tälern und Auen?
  2. Ist es möglich, Perioden intensiver Veränderungen zu identifizieren?
  3. Welche human-ökologische Prozesse waren für den Wandel von natürlichen zu anthropogen geprägten Flüssen und ihren Auen verantwortlich?

Methodischer Ansatz

Einem diachronen Ansatz folgend, soll der Zeitraum vom Mittelalter bis zur industriellen Revolution untersucht werden. Als Modellregion wird das mesoskalige Einzugsgebiet der Wiesent (Main/Rhein-Einzugsgebiet) und ihrer Nebenflüsse der Nördlichen Frankenalb in Bayern/Deutschland gewählt. Hier liegen teilweise bereits hochauflösende chronostratigraphische Daten zu Sedimentflüssen und Auenentwicklung vor, eine Voraussetzung, um den diachronen Ansatz zur Entflechtung der komplexen Mensch-Umwelt-Interaktion erfolgreich zu verfolgen. Zu diesem Zweck werden sowohl klassische als auch innovative (semi-)quantitative Methoden angewendet.

Unser Forschungsgebiet

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Forschungsgebiet des Projekts „Entwicklung eines vom Menschen geprägten Auensystems“, Abbildung: Markus Fuchs
Forschungsgebiet des Projekts „Entwicklung eines vom Menschen geprägten Auensystems“, Abbildung: Markus Fuchs

Projektleitung

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Prof. Dr. Andreas Dix

Principal Investigator

Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Institut für Geographie
Professur für Historische Geographie
Am Kranen 12
96047 Bamberg

Telefon: +49 951 863 2363

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Prof. Dr. Markus Fuchs

Principal Investigator

Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut für Geographie
Bereich Physische Geographie
Senckenbergstraße 1 (Postadresse)
Schlossgasse 7, 2.OG (Besucheradresse)
35390 Gießen

Telefon: +49 641 99 36205

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Prof. Dr. Rainer Schreg

Principal Investigator

Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Institut für Archäologische Wissenschaften, Denkmalwissenschaften und Kunstgeschichte
Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit
Am Kranen 14
96047 Bamberg

Telefon: +49 951 863 2387

Unser Team

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Bastian Grimm

Doktorand

Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut für Geographie
Senckenbergstraße 1 (Postadresse)
Schlossgasse 7, 2. OG (Besucheradresse)
35390 Gießen

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Dr. Thomas Kolb

Postdoc

Justus-Liebig Universität Gießen
Institut für Geographie
Senckenbergstraße 1 (Postadresse)
Schlossgasse 7, 2. OG (Besucheradresse)
35390 Gießen

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Dr. Jörn Profe

Postdoc

Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut für Geographie
Senckenbergstraße 1 (Postadresse)
Schlossgasse 7 (Besucheradresse)
35390 Gießen

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Alexander Voigt

Doktorand

Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit
Am Kranen 14
96047 Bamberg

Kooperationspartner

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Dr. Bertil Mächtle

Principal Investigator

Universität Heidelberg
Geographisches Institut
Im Neuenheimer Feld 348
69120 Heidelberg

Co-Investigator

Jun. Prof. Dr. Julia Meister

Jun. Prof. Dr. Julia Meister

Co-Investigator

Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Institut für Geographie und Geologie
97074 Würzburg

Telefon: +49 931 31-81632

Prof. Dr. Michael Zech

Prof. Dr. Michael Zech

Co-Investigator

Technische Universität Dresden
Institut für Geographie
Helmholtzstraße 10
01069 Dresden

Telefon: +49 351 463-32968

Das Team

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v.l.n.r. Alexander Voigt, Bertil Mächtle, Bastian Grimm, Markus Fuchs, Rainer Schreg, Andreas Dix, Foto: Victor S. Brigola